Umwandlung von CO2 in wertvolle Chemikalien
Mit dem Ziel, die Aufbereitung von aufgefangenem Kohlendioxid (CO₂) weiterzuentwickeln, untersuchten Forschende der Abteilung Interface Science des Fritz-Haber-Instituts, wie die elektrochemische Umwandlung von CO₂ an Kupfer in einem membrane-electrode-assembly (MEA) Elektrolyseur durch die Konzentration von Kaliumbicarbonat (KHCO3) in einer wässrigen Lösung, einem typischen Speichermedium von aufgefangenem CO₂, beeinflusst wird.
Wesentliche Punkte:
- Kohlenstoffmanagement: Für ein klimaneutrales Energiesystem ist die Umwandlung von aufgefangenem CO₂ in wertvolle Chemikalien und Kraftstoffe von zentraler Bedeutung.
- Die Herausforderung: Aufgefangenes („abgeschiedenes“) CO₂ wird derzeit häufig als Bicarbonat oder Carbonat in Lösungen gespeichert. Die Abscheidung und elektrochemische Umwandlung von CO₂ lassen sich durch Elektrolyse der Lösungen direkt koppeln - allerdings sind wichtige Parameter noch unerforscht.
- Der Ansatz: Das Forschungsteam des FHI untersucht den Einfluss der Elektrolytkonzentration auf die Effizienz der CO₂-Umwandlung in einem eigens entworfenen Elektrolyseur - und gewinnt Einblicke in die laufende Reaktion.
- Die Studie zeigt: Für eine effiziente und praxistaugliche CO₂-Umwandlung sind die Zusammensetzung und Konzentration der Elektrolytlösung entscheidend - Erkenntnisse, die für die erfolgreiche Kopplung von CO₂-Abscheidung und -Umwandlung sehr wichtig sind.
Dr. Hou und ihre Kolleginnen und Kollegen aus der Abteilung Interface Science von Direktorin Beatriz Roldán Cuenya fanden heraus, dass bei der Elektrolyse von Bicarbonat (KHCO3) die Erhöhung der Konzentration der Carbonatlösung nicht zwangsläufig zu einer besseren Leistung führt. Stattdessen ermittelten sie eine vulkanförmige Abhängigkeit der Reaktion von der KHCO3-Konzentration: Bei geringer Konzentration ist die in situ Versorgung mit CO2 begrenzt, während bei hoher Konzentration aktive Zentren durch den konkurrierenden Prozess der Anionenadsorption blockiert werden - wie die Forschenden in ihrer eigens entwickelten Operando-Raman-Elektrolysezelle beobachten konnten. Die Arbeit zeigt also, dass die Elektrolytkonzentration ein wichtiger Parameter der elektrochemischen Umwandlung von CO2 ist und somit von grundlegender Bedeutung bei der direkten Kopplung von CO₂-Abscheidung und -Aufbereitung.
Bicarbonat als Ausgangsstoff für die Kopplung von CO2-Abscheidung und -Aufbereitung
Aufgefangenes CO₂ wird häufig in Form von (Bi)carbonat in alkalischen wässrigen Lösungen gespeichert (Alkalische Kohlendioxid-Abscheidung). Das so gepeicherte CO₂ könnte unmittelbar durch anschließende Bicarbonat-Elektrolyse zu wertvollen Chemikalien aufbereitet werden - ohne das CO₂ zuvor wieder als Gas freizusetzen, zu komprimieren oder zu transportieren. Hierzu ist eine direkte Kopplung der CO₂-Abscheidung mit der elektrochemischen Umwandlung nötig.
Laboruntersuchungen der Bicarbonat-Elektrolyse werden bislang meistens mit stark konzentrierten Elektrolyten durchgeführt, typischerweise 2–3 M KHCO3, wohingegen in der Praxis der CO₂-Abscheidung deutlich verdünnte Elektrolytlösungen anfallen. Die Elektrolytkonzentration ist aber ein kritischer Systemparameter, da sie sowohl die Versorgung der Reaktion mit während der Elektrolyse (in situ) erzeugtem CO₂ als auch die chemische Umgebung der Katalysatoroberfläche steuert. Zu verstehen wie die Konzentration die chemische Umwandlung beeinflusst, ist daher unabdingbar.
Eine eigens entwickelte Operando-Plattform
Um diese gekoppelten Effekte experimentell zu untersuchen, entwickelten die Forschenden am FHI eine Zero-Gap-Operando-Raman-Zelle vom MEA-Typ. Die Raman-Zelle weist die typische Membran-Elektroden-Konfiguration auf, ermöglicht aber gleichzeitig die direkte Beobachtung der Cu/Elektrolyt-Grenzfläche. So konnte das Team (Bi)carbonat-Spezies, *CO-Zwischenprodukte und den lokalen pH-Wert während der Elektrolyse verfolgen und somit ein mechanistisches Verständnis des Prozesses gewinnen.
Eine höhere Bicarbonat-Konzentration ist nicht immer von Vorteil
Bei 400 mA cm−2 wurde die höchste Bicarbonat-Elektroreduktionsleistung mit 0,5 M KHCO3 erzielt. Die gesamte Faraday-Effizienz für die in situ CO₂-Reduktionsprodukte erreichte etwa 40 %, was einer partiellen Stromdichte von ~160 mA cm−2 entspricht. Dieser Wert war viermal höher als der mit 3 M KHCO3 erzielte, während sich die Zellspannung um weniger als 0,2 V unterschied.
Die daraus resultierende vulkanförmige Abhängigkeit der Elektrolyseleistung von der Konzentration hat zwei unterschiedliche Ursachen: Bei niedriger Konzentration reicht der Bicarbonat-Massentransport nicht aus, um die erforderliche in situ CO₂-Versorgung aufrechtzuerhalten. Bei hoher Konzentration zeigte die Operando-Raman-Spektroskopie verstärkte (Bi)carbonat-Signale an der Grenzfläche zusammen mit einer unterdrückten *CO-Adsorption.
Diese Ergebnisse zeigen, dass stark adsorbierte (Bi)carbonat-Spezies mit *CO um aktive Oberflächenzentren konkurrieren. Diese Konkurrenz begrenzt die Adsorption des zentralen Zwischenprodukts CO sowie die weitere C–C-Kopplung, während die größere Verfügbarkeit Bicarbonat-basierter Protonendonoren zusätzlich die Wasserstoffentwicklung begünstigt. Kontrollexperimente zeigten zudem, dass weder die Konzentration von Kaliumionen noch der puffergesteuerte lokale pH-Wert die primären Ursachen für den beobachteten Leistungstrend waren. Die optimale Konzentration verschob sich zudem mit der Stromdichte, was zeigt, dass die Bicarbonat-Versorgung an den Protonenfluss und die Betriebslast des Elektrolyseurs angepasst werden muss.
Fazit
Die Studie stellt eine Designregel für die direkte Kopplung von alkalischer CO₂-Abscheidung und elektrochemischer Umwandlung auf: Die Bicarbonat-Konzentration muss an den Betriebsstrom angepasst statt einfach maximiert werden.
Eine moderate Konzentration liefert ausreichend in situ CO₂, während gleichzeitig aktive Oberflächenzentren für die *CO-Adsorption und die anschließende C–C-Kopplung erhalten bleiben. Durch die Kombination von Leistungsmessungen auf Geräteebene mit einer eigens entwickelten Operando-Raman-Plattform mit Elektrolyseur vom MEA-Typ konnten die Forschenden den Reaktionsmechanismus an der funktionalen Grenzfläche aufklären und damit eine praktische Grundlage für die Entwicklung von besseren Elektrolyseuren zur Aufbereitung von aufgefangenem CO₂ in wertvolle Chemikalien legen.
