Wissenschaft gedeiht am besten, wenn alle Stimmen gehört werden

11. Februar 2026

Zum Internationalen Tag der Frauen und Mädchen in der Wissenschaft gedenkt das Fritz-Haber-Institut Pionierinnen wie Clara Immerwahr, Deutschlands erster promovierter Chemikerin, und würdigt gleichzeitig die Erfolge von Frauen in allen Forschungsbereichen am Institut. Damit zeigt das FHI, dass Wissenschaft am besten gedeiht, wenn Barrieren überwunden werden und Chancen für alle offenstehen.

Wissenschaftlicher Fortschritt braucht die besten Köpfe. Im Laufe der Geschichte und auf der ganzen Welt wurden Frauen und Mädchen immer wieder ausgegrenzt, unterschätzt oder unsichtbar gemacht. Der Internationale Tag der Frauen und Mädchen in der Wissenschaft erinnert uns daran, dass diese Ausgrenzung nicht nur das individuelle Potenzial der einzelnen Frauen einschränkt, sondern auch den Fortschritt der Wissenschaft selbst bremst. Weltweit sind ist der Anteil an Frauen in der Forschung immer noch kleiner als ein Drittel (https://www.nature.com/articles/d41586-025-00620-3), ein Ungleichgewicht, das Innovation einschränkt und unsere Fähigkeit schwächt, die großen Herausforderungen unserer Zeit zu bewältigen – von Klimawandel bis Gesundheit und darüber hinaus.

Von Clara bis heute: Die Leistungen von Frauen am FHI

Die Geschichte der Frauen in der Wissenschaft am Fritz-Haber-Institut beginnt mit Pionierinnen wie Dr. Clara Immerwahr. 1900 war sie die erste Frau in Deutschland, die eine Promotion in Chemie erlangte – eine bemerkenswerte Leistung in einer Zeit, in der strukturelle Barrieren akademische Karrieren für Frauen nahezu unmöglich machten. Nach ihrer Promotion wurde Clara Assistentin von Professor Abegg, damals die höchstmögliche akademische Position für eine Frau. Auch heute noch symbolisieren ihre wissenschaftliche Arbeit und ihr Leben sowohl den Beitrag von Frauen zur Wissenschaft als auch die Herausforderungen, die sie bewältigen mussten. Mehr als ein Jahrhundert später lebt Claras Vermächtnis am FHI weiter, wo Frauen weiterhin bedeutende Beiträge zu wissenschaftlichen Entdeckungen leisten.

Im vergangenen Jahr haben Forscherinnen unseres Instituts Spitzenforschung vorangetrieben, renommierte Fellowships erhalten und internationale Anerkennung erlangt. Um einige der neuesten Errungenschaften hervorzuheben: Prof. Beatriz Roldán Cuenya, Direktorin der Abteilung Interface Science, wurde 2025 für mehrere herausragende Leistungen gewürdigt, darunter die Auszeichnung als Highly Cited Researcher durch Clarivate Analytics, die Wahl zur Fellow der International Society of Electrochemistry (ISE), die Verleihung des 4. ACES-Margarita Salas Awards in Stockholm sowie die Aufnahme in die Leopoldina, Deutschlands Nationale Akademie der Wissenschaften. Dr. Patricia Poths sicherte sich das hochkompetitive Liebig-Fellowship des Fonds der Chemischen Industrie (FCI), um ihre eigene Forschungsgruppe, während Melanie Müller eine W3-Professur an der Universität Bonn und der Technischen Universität Dortmund erhielt. Darüber hinaus kamen Dr. Chenyue Qiu, Dr. Parrydeep Kaur Sachdeva und Dr. Huimin Liu durch prestigeträchtige Alexander-von-Humboldt-Forschungsstipendien für Postdocs ans FHI und brachten ihr Fachwissenein. Weitere Highlights 2025 waren die Teilnahme von Dr. JuHyeon Lee und Dr. Elena Gelžinytė am 74. Lindauer Nobelpreisträgertreffen sowie die Auszeichnung von Dr. Eibenberger-Arias mit dem Zellner Science Award 2025 für ihre bahnbrechende Arbeit zur spektroskopischen Kontrolle quantenmechanischer Zustände chiraler Moleküle.

Neben der Förderung von Talenten am Institut engagiert sich das FHI auch für die Unterstützung von Wissenschaftlerinnen außerhalb des Instituts, z. B. durch Kooperationen und Forschungsaufenthalte. Wir freuen uns, die Zusammenarbeit mit Prof. Jennifer Rupp, Professorin an der Technischen Universität München und Leiterin des Electrochemical Materials Lab, als Max-Planck-Fellow fortzusetzen, sowie Prof. Tanja Cuk von der University of Colorado Boulder für einen Forschungsaufenthalt willkommen zu heißen, unterstützt durch ihren Friedrich-Wilhelm-Bessel-Forschungsaward.

Frauen in der Wissenschaft am FHI: Unser Fortschritt und wie wir sie fördern

Derzeit sind 32 % unseres gesamten Personals Frauen, wobei 27 % unserer Forschenden Frauen sind – ein Anstieg von 6 % im Vergleich zu vor sechs Jahren. Doch wir wissen: Repräsentation ist nur der Anfang. Deshalb fördern wir aktiv Empowerment durch Bildung. Allein in den vergangenen zwei Jahren haben wir Initiativen angeboten wie eine Runde zum Thema Gleichstellung in der Wissenschaft, die den offenen Austausch über Disziplinen hinweg anregt, einen Kommunikationsworkshop für Frauen, Trainings zu Konfliktmanagement oder zur Stärkung von Sichtbarkeit und beruflichen Kompetenzen sowie einen Workshop zur Menstruationsgesundheit. Unsere Gender Equality Officers unterstützen diese Bemühungen und sorgen für die Angleichung von Chancen, Transparenz und Inklusion auf allen Karrierestufen.

Wir legen zudem großen Wert darauf, die junge Generation zu inspirieren: Jedes Jahr am Girls’ Day begrüßen wir rund 30 Mädchen im Alter von 10–16 Jahren, geben ihnen praktische Einblicke in wissenschaftliche Forschung und zeigen aus erster Hand, wie das Leben in einem modernen Forschungsumfeld aussieht.

Der Weg nach vorn: Gleichstellung am FHI vorantreiben

Inspiriert vom Vermächtnis von Clara Immerwahr wollen wir weiterhin Fortschritte auf dem Weg zur Geschlechtergleichstellung machen. Wir setzen uns kontinuierlich dafür ein, unseren Arbeitsplatz noch familienfreundlicher zu gestalten. Dazu gehören flexible Arbeitszeiten, Beleg-Kitaplätze, gezielte Unterstützung für Wissenschaftlerinnen und Gastforschende mit Kindern sowie ein Eltern-Kind-Arbeitsraum. Mit diesen Maßnahmen erleichtern wir die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und schaffen gleichzeitig ein Umfeld, das Spitzenkräfte anzieht und eine Kultur von Respekt, Offenheit und Inklusion fördert. Dies stärkt nicht nur unsere Position als führendes Forschungsinstitut, sondern zeigt auch: Exzellente Wissenschaft gedeiht am besten, wenn jeder die Chance hat, beizutragen.

 

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