Dominik Stemer gründet eigene Emmy Noether-Nachwuchsgruppe 

6. Februar 2026

Dr. Dominik Stemer, Postdoktorand in der Abteilung Molekülphysik am Fritz-Haber-Institut, wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) in das renommierte Emmy Noether-Programm aufgenommen. Seit Beginn des Jahres 2026 leitet er die Nachwuchsgruppe „Enantiosensitive Photoelectron Spectroscopy of Chiral Aqueous Solutions“, die sich mit der Erforschung von Chiralität in wässrigen Lösungen von Aminosäuren befassen wird.

Bislang arbeitete Dr. Dominik Stemer in der Forschungsgruppe von Dr. Bernd Winter in der Abteilung Molekülphysik am Fritz-Haber-Institut. Seit Beginn des Jahres ist er nun ein eigenständiger Gruppenleiter – ein Meilenstein für den jungen Nachwuchswissenschaftler. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert sein Forschungsvorhaben im Rahmen des Emmy Noether-Programms und stellt seiner Gruppe „Enantiosensitive Photoelectron Spectroscopy of Chiral Aqueous Solutions“ hierfür bis zu 1,6 Millionen Euro zur Verfügung. Formal ist seine Forschungsgruppe ab dem 1. Februar 2026 an der Universität Münster angesiedelt, wird aber weiterhin Gaststatus am Fritz-Haber-Institut behalten und viele ihrer Experimente in den Laboren der Abteilung für Molekülphysik durchführen.

Dr. Stemer verfügt über weitreichende Kenntnisse der Photoelektronenspektroskopie von „Flüssigkeitsstrahlen“ (liquid jets), auf denen seine neue Nachwuchsgruppe aufbauen will. In seinem Emmy Noether-Projekt will Dr. Stemer nun Moleküle mit einer ganz bestimmten Eigenschaft untersuchen: der Chiralität. Chirale Moleküle existieren in einer links- und einer rechtshändigen Form – also als zwei Spiegelbilder voneinander, die trotz ihrer Ähnlichkeit gänzlich unterschiedliche Eigenschaften haben können. Der Fokus der Nachwuchsgruppe liegt darauf zu verstehen, welche Wechselwirkungen zwischen chiralen Biomolekülen und dem Lösungsmittel, in dem sie sich befinden, vor allem Wasser, bestehen.

Chirale Moleküle spielen in der Biochemie des Lebens eine fundamentale Rolle. Viele Biomoleküle, darunter Aminosäuren oder lebenswichtige Zucker, sind chiral. Grundlegende Fragen rund um Chiralität sind aber noch ungelöst. Zum Beispiel, warum unser Körper zum Bau von Proteinen ausschließlich linkshändige Aminosäuren verwendet. Oder wie chirale Moleküle einander „erkennen“. Auch das Lösungsmittel Wasser spielt eine entscheidende Rolle für die Funktionalität von Biomolekülen, indem es deren funktionsgebende dreidimensionale Struktur stabilisiert und Wechselwirkungen zwischen Molekülen übertragt. Wie genau diese Wirkung von Wasser auf chirale Moleküle aussieht, ist jedoch bislang im Detail nicht geklärt.

Genau hier setzt die Forschung der Nachwuchsgruppe „Enantiosensitive Photoelectron Spectroscopy of Chiral Aqueous Solutions“ an: Sie untersuchen Chiralität in wässrigen Lösungen von Aminosäuren. Hierfür entwickeln sie eine neuartige und wirkungsvolle Methode, die enantiosensitive Flüssigkeitsstrahl-Photoelektronenspektroskopie (enantiosensitive liquid-jet photoelectron spectroscopy). Ihr Ziel ist letztlich, wichtige grundlegende und technologisch relevante Prozesse in wässrigen Phasen genauer zu verstehen, darunter induzierte Chiralität in molekularen Solvatationshüllen oder die chirale Erkennung zwischen Molekülen.

Dominik Stemer promovierte 2020 an der University of California, Los Angeles, in der Gruppe von Professor Paul Weiss. Seit Anfang 2021 ist Dr. Stemer Postdoktorand in der Abteilung Molekülphysik am FHI. Zum 1. Februar 2026 wechselt er als Emmy-Noether-Gruppenleiter an die Universität Münster. Seine Gruppe wird weiterhin zu Gast am FHI bleiben und auch in den kommenden Jahren eng mit den Forschenden hier zusammenarbeiten.

Das Fritz-Haber-Institut gratuliert Dr. Stemer recht herzlich zu diesem wichtigen Schritt auf seiner wissenschaftlichen Karriereleiter. Wir wünschen ihm für seine Zukunft alles Gute und blicken dem Forschungsvorhaben seiner neuen Emmy Noether Gruppe schon gespannt entgegen!

Über das Emmy Noether Programm

Das Emmy-Noether-Programm wurde 1997 von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) zur Förderung herausragender Nachwuchswissenschaftler eingeführt. Es bietet hochqualifizierten, jungen Forschenden die Möglichkeit, sich durch die Leitung einer Nachwuchsgruppe über sechs Jahre für eine Hochschulprofessur zu qualifizieren.

Für das hoch kompetitive Verfahren bewerben können sich Postdoktoranden aller Fachdisziplinen i.d.R. bis 4 Jahre nach der Promotion. Ein Projekt im Emmy Noether-Programm wird nur dann gefördert, wenn der wissenschaftliche Anspruch herausragend ist und die Antragstellenden durch ihre besondere wissenschaftliche Qualifikation in der Lage sind, die Forschungstätigkeit erfolgreich durchzuführen.

Seinen Namen erhält das Programm von der deutschen Mathematikerin Emmy Noether.

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